Erneut Baumängel aus den 1970er Jahren offenbart - weitere Verzögerungen bei der Sanierung des Hallenbades

05.05.2026


Wardenburg - Die Gemeinde Wardenburg möchte darüber informieren, dass sich die Sanierung des Hallenbades leider weiter verzögert und gibt einen Überblick über die Ursachen sowie den aktuellen Stand. Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten wird sich die Fertigstellung der Maßnahme voraussichtlich bis in das Jahr 2027 hinein verschieben.

Die Verzögerungen sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Zum einen sind im Zuge der Sanierungsarbeiten wiederholt erhebliche zusätzliche bauliche Mängel aus der Errichtungszeit des Hallenbades in den Jahren 1977/1978, zuletzt bei der Öffnung des Daches im November 2025, sichtbar geworden. Darüber hinaus sorgen zeitlich anspruchsvolle Planungsprozesse, lange Lieferzeiten und nicht zuletzt der lange kalte Winter zu weiteren Beeinträchtigungen der Bauarbeiten.

Rückblick und Hintergründe der Verzögerung

Im Zuge einer routinemäßigen statischen Prüfung im Jahr 2024 wurden erhebliche Mängel an den tragenden Holzleimbindern des Hallenbad-Daches festgestellt. Aus Sicherheitsgründen wurde die Erneuerung der Dachkonstruktion unumgänglich – inklusive des Austauschs der alten Binder gegen moderne Tragelemente.

Zudem ergaben die bautechnischen Untersuchungen, dass eine Betonsanierung der Hauptträger not-wendig ist. Jahrzehntelange Einwirkung von Chlorluft hatte zu einer Schädigung der Betonbauteile ge-führt. Die vorhandenen Betondachbinder wurden daraufhin mithilfe eines speziellen Instandsetzungs-verfahrens bearbeitet und durch Fachstatiker begleitet. Während dieser Arbeiten trat ein unerwartetes Problem zutage: Entgegen der ursprünglichen Pläne aus den 1970er Jahren bestanden die Dachbinder aus Leichtbeton anstatt aus Stahlbeton, sodass die Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Dieser Umstand führte dazu, dass die Träger entgegen der ursprünglichen Planung zusätzlich ersetzt werden mussten. Dazu waren umfangreiche Zusatzarbeiten von Statikern und Prüfstatikern erforderlich, um die neuen Träger zu bemessen und diese dann auf Basis der ermittelten Daten zusätzlich auszuschreiben und anfertigen zu lassen. Zu den planerischen Verzögerungen kamen teils sehr lange Lieferzeiten von mehr als 10 Wochen.

Nach dem Abbruch des alten Daches im November 2025 mit vollständigem Ausbau der zu schwachen Träger (und Einbau der neuen) sowie der damit verbundenen Freilegung betroffener Wandbereiche wurden weitere Mängel an den Haupttragbauteilen sichtbar. So stellte sich heraus, dass eine tragende Wand - ebenfalls entgegen der ursprünglichen Planung - in zu leichter Bauweise ausgeführt worden war. Auch dieser Bereich musste zurückgebaut und vollständig neu geplant sowie statisch berechnet werden.

Darüber hinaus wurden bei der Freilegung des umlaufenden Betonringbalkens weitere Mängel bei einigen Beton-Tragbauteilen sichtbar, die detaillierter bewertet werden mussten. Die endgültigen Ergebnisse aus einer entsprechenden Untersuchung im Dezember 2025 lagen erst im März 2026 vor – mit dem Ergebnis, dass der umlaufende Ringbalken (der später vom neuen Dach wieder überdeckt und nicht mehr sichtbar ist) zusätzlich instandgesetzt werden muss. Mit den Arbeiten wurde im April begonnen.

Insofern ist die Verzögerung im Wesentlichen durch den neuen Dachaufbau in Verbindung mit weiteren zusätzlich instand zu setzenden Beton-Tragbauteilen begründet.

Die im Laufe der Sanierung identifizierten Baumängel, die zu den für alle Beteiligten unbefriedigenden erheblichen Verzögerungen geführt haben, lassen sich chronologisch in folgender Reihenfolge darstellen:

  • 2024 wurden erhebliche Mängel an den tragenden Holzleimbindern des Daches festgestellt.
  • 2025 stellte sich heraus, dass 1978/1979 keine statisch erforderlichen Stahlbetonträger, sondern Träger aus Leichtbeton eingesetzt wurden - nicht geplanter Ersatz erforderlich.
  • Statisch tragende Wand, die in den siebziger Jahren in zu leichter Bauweise entgegen der Statik umgesetzt wurde, muss erneuert werden.
  • Instandsetzung weiterer Beton-Tragbauteile vor dem erneutem Dachaufbau und Schließung des Daches erforderlich. 

Auswirkungen auf den Bauablauf

Durch die notwendigen Zusatzarbeiten verzögern sich auch alle weiteren Gewerke im Innenbereich des Hallenbades. Diese können erst fortgesetzt werden, wenn die Dachkonstruktion vollständig hergestellt ist. Aktuell ist das Gebäude innen vollständig eingerüstet, um den Wiederaufbau des Daches zu ermöglichen. Zu den weiteren geplanten Maßnahmen zählt unter anderem die Installation eines neuen Edelstahlbeckens, um eine langfristige und moderne Nutzung des Hallenbades sicherzustellen.

Sicherheit als oberste Priorität

Die Gemeinde weist darauf hin, dass bei allen Maßnahmen höchste Sorgfalt gilt. Ereignisse wie der Einsturz einer Eislaufhalle mit Schwimmbad in Bad Reichenhall im Jahr 2006 haben bundesweit zu einem erhöhten Bewusstsein für die Bedeutung statischer Sicherheit geführt. Entsprechend werden alle festgestellten Mängel umfassend und nachhaltig behoben.

Bürgermeister Christoph Reents äußert angesichts der Verkettung von Hiobsbotschaften Verständnis für die Situation der Bürgerinnen und Bürger: „Uns ist bewusst, wie sehr sich viele Menschen – insbesondere Kinder und Familien – die Wiedereröffnung unseres Hallenbades wünschen. Gerade für Kinder ist es wichtig, früh schwimmen zu lernen. Wir bedauern die Verzögerungen sehr und bitten um Verständnis, dass wir hier keine Kompromisse bei der Sicherheit eingehen können.“

Ein kleiner Trost sei es, dass das Lehrschwimmbecken bei der Grundschule Wardenburg weiterhin genutzt werden kann. Dort können insbesondere jüngere Kinder auch während der Bauphase Schwimmunterricht erhalten.“

Ausblick

Alle beteiligten Fachplaner, Bauunternehmen und die Verwaltung arbeiten mit Nachdruck daran, die Sanierung so zügig wie möglich voranzubringen. Ziel bleibt es, den Bürgerinnen und Bürgern ein sicheres, modernes und langfristig nutzbares Hallenbad zur Verfügung zu stellen.